„Aber der Anfang dauert viele Jahre. Ich wollte meine Füße unter meinen eigenen Tisch stecken. Dazu war ich rübergekommen. Die Füße hatte ich dazu. Der Tisch fehlte. Wo er stehen sollte das fehlte auch.“ (Gillhoff 1917: S. 71)

 So lässt Johannes Gillhoff seinen Jürnjakob im seinem 1917 erschienenen Buch, „Jürnjakob Swehn der Amerikafahrer“sagen.

 „Die Deutschen wollten etwas aus sich machen!“ So formulierte es Helen Gripkey aus Cincinnati, die Tochter des Wilhelm Heinrich Menke aus Quakenbrück. Menke, geboren 1888, war im Jahre 1907 in das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ ausgewandert . (Interview erschienen am 5.Jan. 1991 in der NOZ)

Die Motive für die Auswanderung  waren in der Zeit, von der ich berichten möchte, weder hochfliegend, noch  sind sie aus reiner Abenteuerlust heraus entstanden. Vielmehr waren es persönliche Notlagen, soziale, wirtschaftliche, politische oder religiöse Gründe, die die Menschen zu diesem Schritt bewogen haben. Mit der Entscheidung,  auszuwandern wuchs der Wunsch, in der Fremde ein besseres Leben zu beginnen.

Der Anteil der Auswanderer aus der Region Osnabrück kam nicht aus der Stadt, sondern aus dem Osnabrücker Land. Von den in den Jahren 1832 bis 1866 aktenkundig gewordenen  60630 ausgewanderten  Männern, Frauen und Familien kamen die meisten aus dem landwirtschaftlich genutzten Raume des Osnabrücker Nordlandes.

Die Auswanderungsfreiheit war im Königreich Hannover seit 1833 verfassungsmäßig garantiert. Im Paragraph 41 des Grundgesetzes des Königreichs Hannover vom 26. September 1833 heißt es: „ Jedem Landes-Einwohner steht das Recht zu, unter den gesetzlichen Vorschriften über die Militärpflicht auszuwandern.“ Eine behördliche Erlaubnis zur Auswanderung benötigten also nur ledige Männer im dienstpflichtigen Alter, d.h. zwischen dem 20. und 28 Lebensjahr.

Hollandgänger

Schon lange zuvor ist es in unserer Region üblich gewesen, die Heimat zu verlassen, um als Hollandgänger  zur Verbesserung ihres Einkommens beizutragen. Es gibt Schätzungen, die besagen, dass sich im 18. Jhd. jährlich 20.000 bis 25.000 Personen aus Nordwestdeutschland als Grasmäher, Torfmacher, Gärtner, Fischfänger und Soldaten ihren Lebensunterhalt in Holland verdienten.

Zu den Hollandgängern zählten u. a. alle  Enkelkinder des Rudolph Hüdepohl Rieste, Gärtner auf der Schlichthorst in Merzen, später wohnhaft in Alfhausen. Die Nachfahren leben heute in Holland, Australien und Neuseeland.

Auch über Louis Hüdepohl wird in seiner Biografie gesagt, er sei vor seiner Auswanderung 8 Jahre in Holland gewesen. Von ihm wird später die Rede sein.

Im 19. Jhd. zeichnete sich das Ende der  Hollandgängerei ab. Gründe dafür lagen u. a. in der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in den Niederlanden. Einer der Gründe dafür bestand in kriegerischen Auseinandersetzungen mit Belgien.

 

Auch die Intensivierung der Bodennutzung durch Kunstdünger hatte einen Einfluss auf den Niedergang der Hollandgängerei. Hatte ein durchschnittlicher Verdienst  in gewöhnlichen Jahren etwa 1820 noch 24 – 32 Taler betragen, war er im Jahre 1831  auf ca. 16 Taler  gesunken. Ebenso hatten die napoleonische Kontinentalsperre die Situation erschwert und durch das Bevölkerungswachstum war der Bedarf an Gastarbeitern gesunken. So waren diejenigen, die bis dahin einen Zusatzverdienst in Holland hatten, gezwungen sich andere Möglichkeiten zu schaffen.

Wahrscheinlich hatten Louis Hüdepohl und andere Hollandgänger auch, durch Erzählungen und gemachte Erfahrungen den Mut und die Entschlossenheit, sich dem großen Trupp der Auswanderer anzuschließen.

Bereits Ende des 17. Jahrhunderts hatten erste Deutsche in Nordamerika ihre neue Heimat gefunden.  Im 19. Jahrhundert jedoch sind richtiggehend Auswanderungswellen zu verzeichnen.

Hierzu möchte an einem Beispiel einen erfolgreichen Auswanderer dieser Zeit beschreiben, Louis Hüdepohl aus Rieste. Er gehört zu meiner Familie und mit dieser habe ich mich vor allem beschäftigt. Mein ganz besonderes Interesse gehört den Auswanderern, die Hintergründe die zur Auswanderung führten/führen und die Probleme und Chancen die sich daraus ergeben.

Die  Hüdepohl  aus Rieste

 Als unsere gemeinsamen Stammeltern in Rieste kennen wir Joannes Hüdepohl *1654, und Maria Maltkeste *1656 in Rieste sie stammt vom Hof Maltkeste heute Brakel. Von dreien ihrer insgesamt sechs Söhne, sind die Hüdepohl Familien die es heute noch in u. a. in Rieste, Nortrup und Damme gibt. Die einzige Tochter der Familie, Catharina Maria, heiratet Johan Bernd Imwalle.

Gärtner Hüdepohl

Herman Henrich * 1687, heiratete Anna Margaretha Catharina im Mersche. Dieser Familienzweig bildet später die Gärtner-Familie Hüdepohl oder Hüdepohl „vom Bolle“.Herman Heinrich ist auch der langjährige Pförtner in der Kommende Lage. Das Ehepaar bekommt 11 Kinder. Der älteste Sohn Johan Berend  *1715 führte als Erbkötter den Hof weiter. Der jüngste Sohn Herman Rudolph *1735  gründete  als Gärtner auf  „der Schlichthorst“  in Merzen eine Familie. 

Lehrer und Cantor

Arnold Hüdepohl,*1690,  war viele Jahre als Lehrer und Cantor in Rieste tätig. Aus seinen zwei Ehen sind uns zwei Söhne als Pfarrer bekannt. Bernhard Herman Lambert *1718 aus der ersten Ehe mit Anna Helene Hundewinkel wirkt als Pfarrer in St. Laurentius in Schledehausen. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratet Arnold Anna Adelheid Langenkamp. Aus dieser Ehe geht unter anderem der 1731 geborene Johan Heinrich Hüdepohl hervor. Er ist lange Zeit Pfarrer in (Bad) Laer, und auch als Vikar in St. Johann in Osnabrück tätig gewesen.

Das Amt des Lehrers bleibt bis 1848 in der Familie Hüdepohl und zwar zuerst über die Tochter Maria Adelheid die Johan Bernd Anton Mecklenfeld heiratet. Mecklenfeld  nennt sich „Hüdepohl“ und übernimmt die Stelle des Lehrers von seinem Schwiegervater. Im Jahre 1790 heiratet die jüngste Tochter der beiden, Catharina Maria Francisca den Ernst Wilhelm Piepmeyer aus Helfern/Dissen, dieser übernimmt die vakante Lehrerposition nach dem Tod seines Vorgängers und Schwiegervaters in Rieste ein. Auch dieser nennt sich Hüdepohl, seine Kinder werden allerdings auf den Namen des Vaters nämlich Pirpmeyer getauft. Das Zustandekommen der Ehe zwischen Piepmeyer und der Hüdepohl/Mecklenfeld Tochter, ist wahrscheinlich auf Vermittlung durch Johan Heinrich Hüdepohl, Bruder der Mutter und  Onkel der jungen Frau geschehen. Dieser ist zum Zeitpunkt der Eheschließung Pastor in (Bad)Laer. Antonetta Joanna Francisca Piepmeyer, eine Tochter aus der Ehe des Lehrer Piepmeyer und Catharina Hüdepohl Mecklenfeld, heiratet Joannes Förster,  Sohn des Untervogtes Joannes Förster aus Esplingerode/ Duderstadt. 1875 stirbt ihr Sohn Joannes Franciscus als Lehrer Ankum

Schneider Hüdepohl

Die Familie des Schneiders Hüdepohl oder Hüdepohl „Schnieders“ ist aus einer dieser Familien aber jedoch im Moment nicht zuzuordnen. Auf jeden Fall heiratet im Jahr 1764 Joannes Hüdepohl ca. 1731 geboren, die Anna Maria Bollman, Die Lossprechung als Schneidergeselle nach seinen Lehrjahren in Münster, findet 1777 in Osnabrück statt. Sein Sohn Joannes Heinrich Joseph Hüdepohl * 1770, der mit Catharina Maria Rövekamp verheiratet, wird bei seinem Tod im Jahr 1847 als Schneidermeister in Rieste genannt.

Tischler Hüdepohl 

Die Familie der Tischlerei Hüdepohl,oder anders „Dykhues“ die ich zu meinen Ursprungfamilie rechne, bezieht sich auf Diedrich Hüdepohl *1693 und Anna Catharina Fischer *1700, die dieser in zweiter Ehe geheiratet hatte, nach dem Tod seiner ersten Ehefrau Sophia Amalia Denchers. Johannes Bernhard der Erstgeborene übernimmt vom Vater das Tischler und Zimmerhandwerk. Von ihm wiederum übernimmt sein Sohn Theodor, der mit seiner Frau Anna Maria Fleddermann das Haus Schulweg 2 in Rieste erbaute das Handwerk, so ist es auf dem Dielenbogen nachzulesen

Auswanderer in die USA

Heinrich Friedrich Hüdepohl wurde am 11.Juli 1795 geboren. Er wandert am 16.November 1831 mit dem Schiff „Turbo“ von Bremen nach Nordamerika aus. Zusammen mit Catharina Marie Wieman aus Achmer gründete er eine Familie in Wapakoneta Ohio. Die Nachfahren nennen sich heute Headapohl.

 Am 4. Jan. 1848 wanderten Johan Heinrich Christian und Catharina Maria Hüdepohl mit der „John Campbell“ nach Cincinnati aus. Catharina stammte aus der Familie der Tischler, Hüdepohl & Fleddermann. Johan Heinrich Christian ist der Sohn von Hüdepohl & Rövekamp Als Trauzeuge erscheint bei der Heirat Ludovicus Hüdepohl, war er ein Bruder oder ein Cousin von Catharina oder Heinrich?  Ist es der Auswanderer Louis Hüdepohl?

Catharina und Johan Heinrich waren Cousins 3. Grades. Heinrich war Schneider und er  starb ein Jahr nach der Auswanderung während der großen Cholera Epidemie Das Paar hatte 7 Kinder von denen fünf bereits im Kindesalter starben. Nur der  jüngste Sohn Eduard, er war zum Zeitpunkt der Auswanderung ein halbes Jahr alt, reiste mit seinen Eltern. Die Tochter Lisette folgte am 1. Mai 1848 auf der „Goethe“ ihren Eltern Sie heiratet später in Cincinnati Joseph Husmann. Dann verliert sich ihre Spur.

Hermann Heinrich Christian Hüdepohl, Sohn des Bernhard Heinrich Joseph Hüdepohl und der Anna Maria Tebben Biedenharn aus Neuenkirchen Bieste, er war von Beruf Schneider und der Bruder des Urgroßvaters Fritz Hüdepohl aus Rieste (+2009) Er erreicht am 28. August 1866 Cincinnati. Dort leben auch heute noch eine große Anzahl von Nachfahren.  Diese Familie ist seit Generationen mit den Nachfahren des wohl bekanntesten Riester Auswanderers befreundet,  Louis Hüdepohl, dem Begründer der Hüdepohl Brauerei in Cincinnati.

 

Wer aber war nun Louis Hüdepohl?

Wer nach Cincinnati kommt kann den hohen Schornstein der ehemaligen Hüdepohl Brauerei nicht übersehen.

Bekannt wurde er in Cincinnati unter dem Namen Louis. Sein zweiter Vorname Johan wird in keinem sonstigen Dokument genannt. Nur die Schiffahrtsliste gibt diesen einen Hinweis. Leider hilft es nicht. Jedem Familienforscher ist bekannt, dass die zu vergebenen Namen im 19Jh. und noch im 20Jh festen Regeln gehorchten. Nach den Großeltern waren es die Geschwister der Eltern die als Namensgeber in Frage kamen, es gab ja nicht die Vielfalt der Name der heutigen Zeit.


Den Nachweis seiner Existenz gibt es nur in seiner Biografie, nachzulesen in „Cincinnati sonst und jetzt“  dort wird sein Geburtsdatum  mit dem 5. November 1813 zu Amt Malgarten-Rieste Hannover angegeben. Es bestehen erhebliche Zweifel an den Angaben zu seinem Geburtsdatum, nicht aber daran, dass er in Rieste Amt Malgarten geboren wurde. In allen uns bekannten Dokumenten findet sich kein Hinweis zu seiner Herkunftsfamilie, keine Erwähnung seiner Eltern oder Geschwister. Auch die Namen seiner Söhne lasse keine Schlüsse ziehen zu eventuellen Brüder oder Schwestern.

 

 

 

 Betrachten wir die Liste der Auswanderer vom 4 Juni 1838 mit dem Segler „Elise“ findet sich auf der Schiffahrtsliste neben Johan Louis Hüdepohl, 26 Jahre alt und Farmer, Bernhard Heinrich Rövekamp, dessen Frau Maria Angela Borgmann und deren gemeinsame Tochter Antonetta Christina Ludovica bei ihrer Taufe 1834 werden Ludovicus Hüdepohl und Antonetta Fledderman als Taufpaten genannt.

Auch hier bei dieser Gelegenheit,  wie schon bei der Trauung zwischen den späteren Auswanderern Catharina und Heinrich Hüdepohl im Jahr 1831 wieder nur diesen einen Hinweis es gibt ihn. In beiden Familien ist aber die Familie Rövekamp ein Anhaltspunkt. Catharina´s Mutter ist eine Rövekamp.

Ist es „unser“ Johan Louis, von dem hier die Rede ist, wir wissen es nicht.

 

Auswanderung und Neuanfang

 Louis Hüdepohl soll im Jahr der Auswanderung 1838,  26 Jahre alt gewesen sein. In den Census Daten von 1850, also 12. Jahre nach der Einwanderung wird sein Alter mit 30 Jahren angegeben, er ist in 2. Ehe mit Maria Elisabeth Knierime verheiratet, die 2 Jahre vorher nach Cincinnati gekommen war.

Sein Guthaben beträgt 6210 $. Seine Söhne Joseph, Louis und Johnny sind 3/8/5 Jahre alt, diese Angaben stimmen mit den Geburtsdaten der Kinder und seiner Frau Maria Elisabeth Knierime überein

Louis Hudaboal (Hudepohl) 30 years Cincinnati Ward 9

Mary Hudaboal (Hudepohl)  25 years Cincinnati Ward 9

Joseph 3 years

Louis   8 years

Johnny 5 years

Die Censusdaten von 1860  geben uns eine  2. Vergleichsmöglichkeit.  Dort werden folgende Daten veröffentlicht:

Louis Hudepohl 40 Jahre

Mary Hudepohl 36 Jahre

Louis 18 Jahre

John 16 Jahre

Joseph 13 Jahre

Sein Guthaben beträgt 1000 $

Im Census 1870, also 10 Jahre später, ist sein Guthaben auf 35.000 & gestiegen. Seine Söhne leben nicht mehr in seinem Haushalt, sein Alter wird mit 56 J. und das seiner Frau Mary mit 45 J. angegeben aber Louis ist plötzlich in 10 Jahren 15 Jahre älter geworden?

Können wir also davon ausgehen, dass Louis bei seiner Ausreise ein falsches Alter angegeben hat?

 

Es ist nicht auszuschließen, denn möglicherweise hatte er die Befürchtung zum Militärdienst eingezogen zu werden. d.h. Louis Hüdepohl wäre ca. 1819/20 geboren und nicht, wie bei der Auswanderung da wird sein Alter mit 26 Jahre angegeben und in seiner Biografie heißt es er sei 1813, in Rieste Amt Malgarten geboren.

In den Kirchenbüchern von Rieste – Lage gibt es keinen Eintrag zu seiner Geburt  weder 1813 noch 1819/20. So bleiben nur Vermutungen über die Zuordnung zu einer der Hüdepohl Familien aus Rieste.

Gründung einer Familie

Drei Jahre nach seiner Ankunft in Cincinnati,  am 11. November 1841, heiratet Louis Hüdepohl  Maria Agnes Macke aus Damme Dümmerlohausen, Tochter von Johan Friedrich Heinrich Macke und Catharina Maria Moormann, Heuerleute bei Tangeman.

Louis und Agnes Hüdepohl bekommen 4 Söhne, ein Sohn stirbt allerdings schon 3 Wochen nach der Geburt.

 

Der älteste, Johan Herman Ludwig „Louis II“ heiratet Mary Weyer, ihre Vorfahren sind aus Schapen emigriert.

 

Joseph Hüdepohl der jüngste Bruder heiratet Mary Katharina Gottbehöde die Eltern sind Johan Heinrich Gottbehöde und  Maria Anna Bernardina Gertrudis Hugenberg aus Neuenkirchen Olbg. Der mittlere Sohn bleibt unverheiratet.

 

Maria Agnes stirbt am 28. Juni 1849 an Cholera. Nach ihrem Tod, heiratet Louis die inzwischen aus Rieste eingewanderte Anna Maria Elisabeth Knierime am 27 Februar 1825 geborene Tochter des Johan Schwidhard Knierime und der Anna Maria Judith Hüdepohl

Am 27. Nov. 1849  findet die Trauung in der St. Mary´s Kirche statt.  

Maria Knierime ist aus der Hüdepohl „Dykhues“ Familie. Ist sie eine Cousine von Louis? Auszuschließen ist es nicht! Sie bekamen eine gemeinsame Tochter, die 1862 geborenen Carolina von der es keine weiteren Informationen gibt. 

 

Aufbau einer Existenz

Im Jahr der Trauunug mit Maria Agnes Macke, 1841, wird Louis Hüdepohl in den „Deutschen Pionierverein“ aufgenommen, als ein verdienstvoller Bürger Cincinnatis. Innerhalb von drei Jahren schaffte er durch Fleiß, Arbeitskraft, Ausdauer und Mut einen Aufstieg aus dem Stand des Sohnes eines Heuermannes, zu einem erfolgreichen und nicht mehr mittellosen Mann. Was brachte er an Fähigkeiten mit, um diesen Erfolg innerhalb so kurzer Zeit zu haben. Die Schulbildung war es nicht, er wird mit 14/15 Jahren spätestens die Schule in Rieste verlassen haben, wenn er überhaupt diese so lange besuchte. Sein Elternhaus in Rieste war geprägt von christlichen Werten die ihm Stabilität und Sicherheit gab. Er entwickelte sehr früh einen festen Glauben an sich selbst und die Überzeugung alles schaffen zu können. Er war in der Lage positiv zu denken an eine erfolgreiche Zukunft zu glauben. Louis hatte Phantasie, Ausstrahlung und Selbstsicherheit. Durch die frühe Unabhängigkeit vom Elternhaus und die daraus resultierende Eigenverantwortung in sehr jungen Jahrenwusste er genau, was er wollte und ihm war bewusst, dass er nur durch steten Arbeiteinsatz und Ausdauer sein Ziel erreicht  würde, er war lebenstüchtig!

Welch eine Auszeichnung war es für ihn, in den Kreis der verdienstvollen Bürger dieser aufstrebenden, pulsierenden Stadt aufgenommen zu werden. Es war Bestätigung und Ermutigung für ihn auf dem richtigen Weg zu sein, zu seinem Ziel. Wie mag er sich gefühlt haben, hatte er sich sein Leben so vorgestellt?  Hatte er sein Ziel schon erreicht?

Gewiss nicht! Haben seine Eltern und Geschwister je erfahren wie es ihm ergangen ist was für ein erfolgreicher Mann er geworden war, innerhalb so kurzer Zeit?

Auf einer Schiffahrtsliste vom 11 Aug. 1866 ist Louis Hüdepohl nebst seiner Frau Mary als Passagier verzeichnet. Das Schiff kam aus New York und segelte nach Hamburg. Haben die beiden ihren Heimatort Rieste besucht?  Es ist davon auszugehen. Aufzeichnungen darüber gibt es nicht, so können wir uns nur vorstellen, dass beide ihre Eltern noch einmal sehen wollten.  

Nach seiner Ankunft in Cincinnati ist Louis Hüdepohl zunächst in verschiedenen Bereichen tätig 2 Jahre in der Goodlows´s  Eisengießerei. Er war ein starker junger Mann und hatte nach den 2 Jahren schwerer Arbeit genügend Geld erspart, um sich Selbständig zu machen. Es war eine neue Geschäftsidee nämlich, ein Möbel und Transportgeschäft, in der 3.Straße in Cincinnati zwischen Main und Sycamore.

Nach einer sehr erfolgreichen Zeit, Louis betreibt  sein Transportschäft über 12 Jahre, entschiedet er; sich in der Abigail Str.; mit einem Geschäft für Spezereien (Gewürze) niederzulassen.

Vielleicht war er aber hier nicht so erfolgreich wie er es sich vorgestellt hatte oder, es war noch nicht das, was er wollte denn, Louis gab seine Selbständigkeit im Jahr 1856 wieder auf und wechselte als Angestellter zu John Pohlmann in die 25 W Court Str., um bei ihm im Spirituosenhandel tätig zu werden.

 

Nach einem weiteren Wechsel zu Christian Sandheger der erfolgreich ein Wein und Spirituosenhandel betrieb hatte Louis Hüdepohl seine Fähigkeit gut zu kommunizieren, er konnte gut mit Kunden umgehen denn er war bei Sandheger sehr beliebt gewesen. Damit evtl auch mit dieser Tätigkeit seine wirkliche Begabung. Seine Entscheidung für ein eigenes Unternehmen stand somit fest. Er eröffnete  einen Wein und Spirituosenhandel mit einheimischen und ausländischen Produkten, in 372  Main Street, Cincinnati, Wie sich später erwies war es die richtige Entscheidung und  Geschäftsidee für ihn.

Nach kurzer Zeit war es ihm möglich geworden seinen ältesten Sohn Louis II und den inzwischen eingewanderten Georg Heinrich Kotte aus Malgarten, als Partner in das Geschäft zu übernehmen. 

 

In einem Brief aus Cincinnati an seine Eltern vom 15. November 1864 erwähnt Heinrich zu Oeveste  aus Rieste, Louis Hüdepohl, er sagt, dieser habe ihm eine Stelle als Buchhalter in seinem Geschäft angeboten. (Antonius Holtmann „ Ferner thue ich euch zu wissen“ S. 101.)

George Kotte war wie sein Vater Tischler, hatte sich aber zum Buchhalter ausbilden lassen und konnte ab 1866 die Stelle eines Buchhalters im Spirituosen Geschäft der Fa. Hüdepohl antreten

Bis zu seinem Tod, Louis Hüdepohl stirbt am 13. Juli 1881, hat er aktiven Anteil am Geschäftsleben in 327 Main Street in Cincinnati.

Die Trauerfeier für Louis Hüdepohl fand in der von ihm gestifteten Kirche die dem St Ludwig gewidmet, war statt.

Denn im Jahre 1870 wurde Louis Hüdepohl zum Kirchenstifter. Nach Recherche von Cheryl Hudepohl Fehring, einer Nachfahrin von Louis jüngstem Sohn Joseph, übergab er am 5. Jan. 1870 ein Grundstück an der Eights and Walnut Street in Cincinnati an das Bistum Cincinnati unter der Bedingung, eine neue Kirche zu errichten, die dem Hl. Ludwig gewidmet werden sollte. Sie erscheint als dritte Filialkirche zu Old St. Marys. Die Kirche St. Louis wurde 1928 zurückgebaut.

 

Generationswechsel

In seinem Testament werden alle Söhne von Louis Hüdepohl  gleich bedacht. Da sein ältester Sohn Louis aber bereits seit geraumer Zeit sein Partner im Geschäftsleben war, bleibt er es auch weiter. Er führt die Brauerei als Alleininhaber bis zu seinem Tod am 27. April 1902.

Nach dem Tod von Louis Hüdepohl Sr. führten sein Sohn Louis II und George Kotte das Geschäft weiter. Zusammen erwarben diesen beiden dann die Buckeye Brewery und nannten sie in Hudepohl & Kotte Brewery. Zum Zeitpunkt des Kaufes  befand sich die Brauerei in der Buckeye Street heute umbenannt in East Clifton Ave. „Over the Rhine“. Dem Bereich also von Cincinnati, in dem vor allem Deutsche Auswanderern siedelten und der deutlich von ihnen geprägt worden.

 

1886 produzierte die Brauerei ca. 25.000 Barrel = 3000 L, mit steigender Tendenz zu 40.000 Barrel = 4.800 L. pro Jahr

Auch die Trauerfeier von Louis Hudepohl II 1902, fand in der St Ludwigs Kirche statt.,ca. 2000 Menschen nahmen daran teil. Die Messfeier wurde von Pastor Quatman zelebriert.  Zu den vielen Trauergästen gehörten natürlich die Vereine in denen alle Deutschen Auswanderer auch Mitglieder waren, allen voran „Die deutsche Schützengesellschaft“  die „Plattdeutsche Gesellschaft“, oder „Deutsche Gesellschaft auf Gegenseitigkeit“ sowie unzählige anderen Vereine. Die Belegschaft des Unternehmens, viele Verwandte und Bekannte aus der Alten Welt angehörten und natürlich die engen Freunde und Familienangehörige. Dazu gehörten auch seine fünf Töchter und deren Ehemänner.

      

Nach seinem Ableben übernahm seine Witwe Frau Mary Elizabeth Weyer mit der Unterstützung durch den Schwiegersohn William Pohl die Führung des Betriebes.

Die Brauerei war ab 1885 im Familienbesitz und feierte im Jahr 1985 ihr 100 jähriges Bestehen.

Angehörige der Familie sind durchgängig in der Leitungsposition mit John A Hesselbrock als Präsident und William L Pohl als General Manager folgen die Enkelsöhne. Im Jahr 1972 folgt erstmals jemand mit nicht so direkter Anbindung an die Familie.

Doch Thomas Andrew Zins ist der Sohn von Elizabeth Mary Hesselbrock einer Schwester von John Hesselbrock, seine Urgroßeltern mütterlicherseits waren Johan Heinrich Berling und Maria Bernardina Ratermann aus Ankum.

Diese Linie der Hüdepohl, Nachfahren des Johan Louis Hudepohl aus Rieste, dem UrUrUrUR-Großvater von Brian Aubrey Hudepohl heute wohnhaft in San Diego.

 

  Ryan Connors, UrUrUrenkel
  von Louis II dem ältesten Sohn
  Erben der Brauerei
 

                          

 

 

 

                                       

 

     

Monika Thölking, Thomas Hudepohl, Cheryl Hudepohl-Fehring
UrUrUrenkelin von
Joseph, dem jüngsten Sohn von Louis I

 

 

 

 

Georg Heinrich Kotte scheidet 1890 aus dem gemeinsamen Geschäft mit Louis Hüdepohl II aus. Die Gründe sind nicht bekannt, vermutlich ist es sein Gesundheitszustand, er stirbt 1893, im Alter von 56 Jahren.  Das Ehepaar Georg Heinrich Kotte und Maria Catharina Taphorn heiraten 1870.

Vier seiner Kinder bleiben der Brauerei weiterhin verbunden. Die älteste Tochter Clara mit Henry Kaiser verheiratet der als Manager tätig ist. Henry ist als Buchhalter beschäftigt,  Edward und William als Bierbrauer.

Wie  Louis Hüdepohl, zog es viele Söhne und Töchter von Heuerleuten und kleinen Handwerkern in die „Neue Welt“ auf der Suche nach anderen, besseren Möglichkeiten. Sie wollten und mussten ihre Lebensumstände verändern zu Besseren

Viele sind zurückgekommen denn es bedurfte einer enormen Leistung, Geduld, Kraft und Ausdauer um sesshaft, glücklicher und zufriedener zu werden in einem fremden Land mit anderen Gebräuchen in einer fremden Sprache. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Ich möchte mit einem Satz aus Johannes Dillhoff  Bericht enden. Auf Seite 55 lässt er Jürnjacob Swehn sagen“

„Lieber Freund, du siehst, das ist wirklich wahr geworden, was der Tagelöhnerjung im Hornkatener Sand von den beiden Herden träumte, als er auszog in ein fremdes Land. Wir haben alles plenty: plenty Land und plenty Vieh. Aber es kostet auch plenty Schweiß.“

Wer die notwendige  Energie und Ausdauer nicht aufbrachte hatte auch in einem fremden Land kein Zukunft.

Monika Thölking, Dipl. Päd. im Ruhestand

49088 Osnabrück, Schwalbenweg 14,

monika.thoelking@osnanet.de

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